100 Jahre Ruderverein Wiking Spittal
1910 - 2010
 
 
Aus der Vereinsgeschichte:
 
Am 2. Juli 1910 gründen 6 Männer aus Spittal den Ruderverein „Wiking“. Der „Gründungsvierer“ besteht aus Sepp Pesentheiner, Kurt Minkowitsch, Franz Orgelmeister, Max Trinker, Steuermann ist Heinz Walter. In Kärnten gibt es bereits die Rudervereine „Nautilus“ und „ Albatros“ in Klagenfurt und den Ruderverein Villach. In zwei alten, vom Ruderverein Nautilus erworbenen Vierern, wird mit dem Rudern begonnen. Der Gründungsvierer startet bereits 1910 erstmals bei einer Regatta, der Südösterreichischen Ruderregatta in Triest. Drei Jahre später, bei der 7. Südösterreichischen Regatta auf dem Wörthersee 1913, erringt Sepp Pesentheiner im Einer den ersten Sieg für den Verein. Im Jahr 1911 werden 2.175 km gerudert. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 48 Kronen. Die Boote dürfen unentgeltlich auf dem Grund des Besitzers Hans Näthebusch abgestellt werden.
 
1914 wird eine einfache Bootshütte errichtet. Im Winter 1915 wird die Bootshütte durch Schnee eingedrückt. Der Verein verliert seinen ohnehin bescheidenen Bootspark.
 
Schon vor dem Krieg spielt das gesellschaftliche Leben der „Wikinger“ eine große Rolle.
 
Der erste Weltkrieg unterbricht alle sportlichen Aktivitäten. Nach dem Weltkrieg und dem Kärntner Abwehrkampf erfolgt 1920 der Wiederaufbau des Vereins. Der Eigentümer des Hotels Seehof, ein Schweizer namens Heinrich Weidemann, schenkt dem Verein ein kleines Grundstück, auf dem eine Bootshütte errichtet wird. Nach und nach werden wieder Boote angeschafft und es werden Regatten beschickt.
 
1924 und 1930 finden kleine regionale Wettkämpfe auf dem Millstättersee statt.
 
Die Nachkriegszeit ist die Zeit der großen Wikinger-Bälle, die als gesellschaftliche Ereignisse gelten. Gerudert wird wenig. 1934 werden sogar Überlegungen angestellt, aus dem Ruderverband auszutreten, weil keine Aussicht besteht, in absehbarer Zeit an einer Regatta teilzunehmen. Der Österreichische Ruderverband befreit den Verein daraufhin vorläufig von der Beitragsleistung. Das 25-Jahre-Jubiläum steht im Zeichen wirtschaftlicher Depression und politscher Wirren.
 
Seit 1939 werden Damen in den Verein aufgenommen.
Der zweite Weltkrieg unterbricht die sportlichen Tätigkeiten. 1943 sind fast alle Mitglieder eingerückt, der Sportbetrieb wird stillgelegt. 1945 erfolgt die Beschlagnahme durch die britische Besatzungsmacht. Britische Offiziere vergewissern sich, dass der Verein mit Politik nichts zu tun hat und gestatten dann den Mitgliedern wieder den Zutritt.
 
Nach dem zweiten Weltkrieg geht es langsam aufwärts. Ab 1948 werden wieder Regatten in Kärnten beschickt. Sowohl Männer-Vierer als auch Damen-Doppelvierer kommen zu Siegen. Im Jahr 1950 werden 5.525 Kilometer gerudert, davon beachtliche 1.925 von den Damen.
 
In der Nacht vom 4. auf dem 5. Feber 1951 fällt mehr als ein Meter Neuschnee, das bereits baufällige Bootshaus wird eingedrückt, nahezu das gesamte Bootsmaterial wird vernichtet.
 
Mit einem alten Schulungs-Vierer, den der Ruderverein Albatros dem Verein schenkt, kann der Ruderbetrieb in sehr bescheidenem Rahmen aufrecht erhalten werden.
 
1951/52 wird eine neue Bootshütte errichtet. Dazu kommt 1956 ein Zubau mit Ankleideräumen und einem Clubraum.
 
Ab 1956 nimmt der Verein wieder an Regatten teil. Nach Erfolgen in Vierern wird 1961 erstmals ein Sieg in einem Achter errungen.
 
Ende der sechziger Jahre flauen die rennsportlichen Erfolge ab, 1970 werden keine Regatten mehr beschickt.
 
Auf dem Vereinsgelände werden in diesen Jahren beträchtliche Investitionen getätigt. Eine Sanitäranlage und ein neuer Einbootungssteg werden gebaut, ein Bootsanhänger und ein Vereinsbus werden angeschafft.
 
Ab 1971 werden die rennsportlichen Aktivitäten auf eine neue Basis gestellt. Es wird mit einem systematischen Wintertraining begonnen. 1972 werden 19 Siege errungen, Hannes Kari wird im österreichischer Meister im Schüler-Einer und erringt damit den ersten Meistertitel für den Verein. 1973 wird mit 22.035 Jahreskilometern eine neue Bestmarke erreicht, 1974 werden 21, 1975 35 Saisonsiege errungen, darunter fünf Landesmeistertitel. Jörg Kaltenbrunner wird österreichischer Meister im Junioren-Einer und nimmt als erster Ruderer des Vereins an einer Weltmeisterschaft, der Junioren-WM in Montreal, teil.
 
1976 werden Cornelia Graimann und Inge Niedermayer österreichische Meister im Juniorinnen-Doppelzweier. Andreas Wessely, Arnold Jonke, Gerhard Kofler und Arnold Peitler, Steuermann Jochen Bürgel, werden 1980 österreichische Meister im Junioren-Vierer. Sepp Aichholzer und Robert Steiner werden österreichische Meister im Männer-Leichtgewichtszweier ohne Steuermann und werden mit zwei Linzer Ruderern zum Championat der Leichtgewichtsruderer, dem Vorläufer der Weltmeisterschaft für Leichtgewichtsruderer, in Belgien nominiert.
 
1981 qualifiziert sich Gerhard Kofler mit dem Linzer Ruderer Rainer Sadleder für die Junioren-WM in Bulgarien. Die Leichtgewichtsruderer Sepp Aichholzer, Robert Steiner, Hannes Plöb und Rudolf Zinell werden in einer Renngemeinschaft mit Salzburger Ruderern österreichische Meister im Leichtgewichts-Achter.
 
1981 werden 27.856 km gerudert, bei den Kärntner Landesmeisterschaften gewinnt der Ruderverein Wiking Spittal 8 von 17 Rennen.
 
Im Jubiläumsjahr 1985 qualifiziert sich mit Arnold Jonke erstmals ein Ruderer des Vereins für eine Männer-WM. Er startet mit dem Linzer Ruderer Thomas Linemayr im Doppel-Zweiter in Hazewinkel in Belgien, wo ein elfter Platz errungen wird.
 
Anlässlich des 75-Jahre-Jubiläums finden erstmals die Kärntner Landesmeisterschaften auf dem Millstättersee statt. Anfang 1986 wird das Jubiläum in festlichem Rahmen im Schloss Porcia mit einem Festakt und einem Rudererball gefeiert, eine Festschrift wird herausgegeben, der Österreichische Ruderverband hält seine jährliche Generalversammlung, den Rudertag, im Schloss Porcia ab.
 
Arnold Jonke wird erstmals österreichischer Staatsmeister im Männer-Einer und startet neuerlich im Doppel-Zweier bei der Weltmeisterschaft. Thomas Staudacher wird österreichischer Meister im Schüler-Einer.
 
Ab 1987 geht es sportlich mangels Nachwuchsarbeit wieder bergab. Nur noch Walter Kaiser schafft es, sich 1989 für die Junioren-WM in Ungarn im Doppelvierer zu qualifizieren. Danach startet er, weil in seinem Verein kein Trainer mehr zur Verfügung steht, für den Ruderverein Villach und schafft schließlich sogar die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Barcelona 1992.
 
Im Jahr 1990 gibt es keinen Trainingsbetrieb mehr.
 
Unabhängig davon entwickelt sich Arnold Jonke, inzwischen in Linz und Wien vom Verbandstrainer Andrezj Moliszewski trainiert, zum Weltklasseruderer. Er bleibt seinem Verein treu und startet weiterhin für Wiking Spittal. Seit 1985 ist er Stammgast bei den Ruderweltmeisterschaften, startet im Doppelzweier, im Einer, wieder im Doppelzweier und im Doppelvierer. Er wird mehrmals österreichischer Meister und qualifiziert sich vier Mal für die Teilnahme an den Olympischen Spielen (Seoul 1988, Barcelona 1992, Atlanta 1996, Sidney 2000). Seine größten Erfolge feiert er zusammen mit Christoph Zerbst, der als Jugendlicher für Wiking Spittal, später für Wiener Vereine und schließlich seit 1988 wieder zusammen mit Arnold Jonke für den Ruderverein Spittal rudert. Das Duo Jonke-Zerbst wird unter Trainer Andrezj Moliszewski zum erfolgreichsten Boot in der Geschichte des Österreichischen Ruderverbandes. Nach Bronze bei der Weltmeisterschaft in Bled 1989 wird 1990 bei der Weltmeisterschaft in Tasmanien der erste WM-Titel in einer olympischen Bootsklasse für den Österreichischen Rudersport errungen, 1992 folgt die Silber-Medaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Eine Olympiamedaille im Rudern, einer klassischen olympischen Sommersportart, ist eine Rarität, 32 Jahre vor Barcelona hat es zuletzt eine olympische Medaille für den Österreichischen Ruderverband gegeben, seit Barcelona hat es keine mehr gegeben!
 
Mit einem neuen Vorstand geht es ab 1993 mit dem Verein wieder steil bergauf. Es werden beträchtliche Investitionen in das Vereinsgelände und das Bootshaus getätigt, Boote und ein Bootsanhänger werden angeschafft, es herrscht Aufbruchstimmung. Auf dem Vereinsgelände herrscht oft Hochbetrieb, Anfängerausbildung und Jugendarbeit werden forciert, viele Jugendliche werden zu Regatten geschickt. Eine kleine Regatta für die Kärntner Nachwuchsruderer, der „Raiffeisen-Cup“ auf dem Millstättersee wird für einige Jahre zu einem Fixtermin im Kärntner Regattageschehen.
 
Die Kärntner Landesmeisterschaften finden zum zweiten Mal auf dem Millstättersee statt.
 
Die erfolgreichsten Ruderer dieser Zeit sind Markus Schützelhofer, der es in der Männerklasse in einem ÖRV-Kader schafft und sich 1999 für die Militär-Weltmeisterschaften qualifiziert, und Markus Pichorner in der Schüler- und Juniorenklasse.
 
Einige Jahre später hat der Verein mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Der Rennsportbetrieb flaut ab. 1999 gelingt noch einmal ein Meistertitel, Andreas Ressi wird österreichischer Meister im Schüler-Einer, vier Jahre später qualifiziert er sich, inzwischen Mitglied des Rudervereins Albatros Klagenfurt, für die Junioren-Weltmeisterschaft in Athen. Er ist im Jahr 2000 der vorerst letzte erfolgreiche Rennruderer des Vereins.
 
In den letzten Jahren hat sich der Verein wirtschaftlich erholt. Seit heuer wird wieder Jugendarbeit geleistet und versucht, den Sportbetrieb wieder aufzubauen. Eine fast ein Jahrzehnt dauernde schöpferische Pause im sportlichen und im gesellschaftlichen Leben des Rudervereins Spittal geht damit hoffentlich zu Ende.
 
Zu den erfolgreichsten „Legionären“, also Ruderern, die in unserem Verein mit dem Rennsport begonnen haben, ihre größten sportlichen Erfolge dann aber später als Studenten für andere Rudervereine errungen haben, gehören Inge Niedermayer und Walter Kaiser (Olympiastarter) und Robert Steiner (WM-Starter).
 
Seeboden, am 1.7.2010
 
Dr. Werner Russek
 
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